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Guild Wars - kann es World of Warcraft das Wasser reichen? |
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Geschrieben von Benjamin Seym
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29.01.2006 |
Der letzte Tag bricht an im Königreich von Ascalon… Mit diesen düsteren Worten betritt der Spieler die Welt von Guild Wars. Es beginnt in der Hauptstadt des Reiches Ascalon, an einem milden Herbsttag. Laub liegt auf den Wegen, die Bäume tragen bereits ihre herbstlich gelben und roten Farben und alles scheint friedlich.
In Guild Wars übernimmt der Spieler die Rolle eines selbsterstellten Helden um kleinere und größere Quests, die Teils sogar in gewaltige Schlachten ausarten, zu bestehen.
Das Spiel beginnt mit dem wohl längsten Tutorial, das einem Spieler jemals den Einstieg erleichtern sollte, denn allein die Spieldauer zum gründlichen Kennenlernen des Bevorstehenden beläuft sich auf mindestens 4-5 Stunden. Natürlich kann man auch all die Nebenquests darin verstreichen lassen und sich auf direktem Weg in weniger als einer halben Stunde aus dem Tutorial entfernen.
Was an Guild Wars auch zu erwähnen wäre, ist die Einsteigerfreundlichkeit, so belaufen sich die ersten Aufträge lediglich darauf, kleinere Botengänge zu erledigen oder auch mal gegen eine Hand voll Banditen im Kampf bestehen zu müssen. Wer jetzt aber denkt, das Spiel handelt von allerlei bösen Waldbewohnern wie beispielsweise von Wölfen oder ähnlichem, der wird feststellen, dass die Größe der Anfangs fast schon niedlichen Tiere, sehr schnell gewaltige Formate annimmt. So ist es nichts Ungewöhnliches, sich im späteren Spielverlauf mit einer Horde Trolle oder sogar Drachen herumschlagen zu müssen.
Klassen und Charaktäre Eine sehr gelungene Neuerung im Rollenspielgenre ist die Wahl einer Zweitklasse. So werden, aus den Anfangs sechs wählbaren Klassen schnell eine große Anzahl unterschiedlichster Spielcharaktere, die allesamt ihre eigenen taktischen Vor- und Nachteile mit sich bringen. Auch muss sich jede Klasse in einer bestimmten Unterkategorie einordnen, so ist Krieger nicht gleich Krieger, denn man hat die Wahl zwischen einem axtschwingenden Barbaren, oder natürlich einem edlen Schwertkämpfer, der mit Schwert und Schild bewaffnet in den Kampf für das Gute zieht. Auch kann ein Elemtarmagier als Feuer-, Eis-, Erd und Luftmagier ausgespielt werden. Der Spieler hat mit der Sekundärklasse die Möglichkeit, Fähigkeiten einer zweiten Klasse nutzen zu können, ein Krieger kann also mit der Zweitklasse Nekromant, nicht nur allein sondern mit einem kleinen Heer aus untoten Dienern in die Schlacht ziehen. Allerdings lassen sich die meisten Charaktere nur sehr schwer im Alleingang spielen, da es in einem MMORPG ("Massive Multiplayer Online Roleplay Game") eher auf Teamgeist und eingespielte Gruppen ankommt. Aber für Leute, die lieber ohne andere Mitspieler die Welt erforschen wollen, gibt es die Möglichkeit, NPCs wie beispielsweise eine Heilerin mitzunehmen.
Spielwelt Ein Aspekt in Guild Wars, zu dem die Meinungen wohl sehr unterschiedlich sind, ist, dass die Welt außerhalb der Städte nur als „Instance“ existiert d.h. dass jeder Spieler, der die Städte verlässt, auf sich allein gestellt ist, denn eine Instance ist eine persönliche Kopie der Welt, die nur von einem Spieler oder einer vorher zusammengestellten Gruppe betreten werden kann. Das hat zur Folge, dass es unmöglich ist, mitten in der Wildnis auf andere Spieler zu treffen, die einem bei eventuellen Gefahren beistehen können. Einerseits ist dies zwar ein bisschen gewöhnungsbedürftig, falls man zuvor Spiele wie „World of Warcraft“ gespielt hat, in dem jederzeit andere Spieler unterwegs sind. Andererseits festigt es die Angewiesenheit auf die eigene Gruppe und somit den Teamgeist derselben.
Gameplaydetails Das Kampfsystem ist einfach und unkompliziert. Ein einfacher Linksklick auf einen Gegner reicht aus, um diesen mit ein paar Treffern ins Jenseits zu schicken. Spaßig ist der Einsatz verschiedener, charakterabhängiger Fertigkeiten, die entweder als Belohnung für erledigte Quests, oder aber beim Trainer gekauft werden können. Eine besondere Schwierigkeit hierbei ist das Ausrüsten eines Charakters mit verschiedenen Fertigkeiten, da maximal acht davon mit auf Reisen genommen werden dürfen. Eine Zahl, die bei 300 möglichen Fertigkeiten pro Charakter dem Spieler schon einiges an Prioritätensetzung abverlangt. Diese Fertigkeiten können entweder direkt ins Kampfgeschehen eingreifen und den Gegner in Form eines Meteoritenhagels ausschalten oder aber heilende Kräfte haben, die in Kämpfen mit mehreren Gegnern unverzichtbar sind. Auch Störzauber oder Vergiftungen gehören zum Repertoire einer Heldengruppe und können dem Kampf im letzten Augenblick noch eine Wendung geben.
Welt Die Spielwelt von Guild Wars kann in punkto Größe mit jeder anderen mithalten, sie umfasst sämtliche Gebiete, welche die Herzen von Rollenspielfans höher schlagen lassen. Von den Schluchten der Wüste über die Einöde Alt-Ascalons bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln des Zittergipfelgebirges ist wirklich alles vertreten. Auch tummeln sich in den verschiedenen Umgebungen die unterschiedlichsten Arten von Gegnern, die, so wie es scheint, eine eigene Kultur haben. Wesen wie die Steingipfelzwerge oder die im Dschungel ansässigen Zentauren bringen genügend Abwechslung für viele Stunden Spielspaß und bieten in einigen Gebieten sogar für Experten noch eine große Herausforderung.
Teamplay in den Gilden Wie schon erwähnt lässt sich das Spiel im Alleingang unmöglich durchspielen und so empfiehlt es sich, die unzähligen Quests und Missionen mit einer Gruppe anderer Spieler, zu meistern. Da das Spiel Guild Wars (zu deutsch "Gildenkämpfe") heißt, gibt es selbstverständlich die Möglichkeit, einer Gilde beizutreten oder selbst eine zu gründen. Innerhalb einer Gilde herrscht eine Hierarchie, welchen den Anführer zum Oberhaupt macht und ihm erlaubt, weitere Mitglieder einzuladen, welche er dann auch zu Offizieren befördern kann. Diese haben zwar nicht so viele Rechte wie der Anführer, aber sie können eigenmächtig neue Mitglieder rekrutieren und diese auch wieder aus der Gilde entlassen. Um eine optische Einheit bilden zu können steht es dem Anführer frei, einen Umhang mit dem Wappen der Gilde zu gestalten, welchen jedes Gildenmitglied automatisch trägt. Für fortgeschrittenere Gilden mit mehreren Mitspielern bietet sich die Möglichkeit an, eine eigene Insel mit einer Gildenhalle zu erwerben, welche nur von den Mitgliedern der jeweiligen Gilde betreten werden kann. Auch hier gibt es eine Auswahl zwischen acht verschiedenen Hallen, die unter anderem Austragungsorte von Gildenkämpfen sind, welche den Rang der Gilde steigern können - insofern sie die Kämpfe gewinnen.
Maximallevel Ein Negativfaktor des Spiels ist jedoch das geringe Maximallevel, denn während die Spieler bei vielen Rollenspielen einen Rang von 50 und mehr erreichen können, werden Guild-Wars-Spieler bereits auf dem 20. Level ausgebremst. Das besonders Ärgerliche dabei ist, dass dies oft schon nach der knappen Hälfte des Spiels eintritt. Trotzdem braucht es mindestens 20 Stunden, um Level 20 zu erreichen und locker dreimal solange um das Spiel komplett durchzuspielen ohne viele optionale Quests zu erledigen.
Grafik Die Grafik in Guild Wars ist einfach nur beeindruckend, die Jungs von ArenaNet haben sich mit der detaillierten Umgebung selbst übertroffen und Elemente wie Wasser und Feuer sehen einfach grandios aus. Auch die zahlreichen Charaktere machen mit ihren sehr gelungenen Texturen eine gute Figur, auch wenn diese nur bei NPC’s, Gruppenmitgliedern und dem eigenen Charakter in hoher Auflösung zu bewundern sind. Ebenfalls einige Pluspunkte wert ist die Weitsicht, welche sich allerdings nur mit neueren Grafikkarten einstellen lässt, ohne Performancequalität einbüßen zu müssen. Dazu wäre auch noch zu sagen, dass weit entfernte Gebäude, wie z.B. die Ruinenstätte in der Wüste oder in den Bergen der Zittergipfel, sind am Horizont lediglich als zweidimensionales Bitmap zu sehen - ein Nachteil, der bei solch einer Detailpracht jedoch nicht weiter ins Gewicht fällt. Natürlich gibt es auch an soviel guten Eigenschaften einen kaum verkennbaren Haken, denn um die Grafik in vollen Zügen genießen zu können, ist eine Grafikkarte mit mindestens 128MB RAM schon nötig.
Sound Ebenfalls sehr gut gelungen ist der Sound des Spiels, auch wenn es nur in einigen kleineren Filmsequenzen eine Sprachausgabe gibt. Die Hintergrundmusik passt sich immer der Umgebung an, so ist sie bei einem kleinen herbstlichen Wäldchen durchaus beruhigend und schön anzuhören, während sie in Gegenden wie dem Dschungel durchaus imstande ist, Spannung zu erzeugen. Etwas nervig ist die fehlende Sprachausgabe bei den teils sehr langen Monologen der zahlreichen NPC’s, die für den Spieler ein paar Quests parat halten. Auch während der Filmsequenzen, in denen ein paar Worte gewechselt werden, überzeugt die Sprachausgabe, durch fehlende Lippenbewegungen, nicht wirklich. Dafür sind allerdings die SFX-Effekte, wie die Kampfschreie der Gegner oder deren Todesschreie, umso besser gelungen.
Unterschiede Den größten Unterschied zu anderen MMORPGs stellt die Tatsache dar, dass Guild Wars, vom Anschaffungspreis abgesehen, völlig kostenlos ist und keine monatliche Gebühr verlangt. Ein Vorteil, unter dem der Support aber trotzdem nicht leidet, denn das Spiel wird ständig mit kleineren und teilweise auch größeren Updates, die einem Add On gleichkommen, verbessert und vergrößert.
Fazit Guild Wars ist durch und durch ein gelungener Titel, der keinen Vergleich gegenüber anderen MMORPGs wie bsw. dem alteingesessenen Everquest oder World of Warcraft zu scheuen braucht. Die durchschnittliche Spieldauer liegt weit über der Dauer normaler Rollenspiele und bietet bis zum Schluss spannende Abwechslungen und eine fesselnde Story mit vielen Wendungen und schweren Primärmissionen. Trotz einiger Schwächen am Schwierigkeitsgrad und der Sprachausgabe gehört Guild Wars zu den besten Online-Rollenspielen, die zurzeit auf dem Markt zu kaufen sind und ist somit ein empfehlenswertes Spiel.
Pro und Contra + Sehr gute Grafik + Viele abwechslungsreiche Gebiete und Ortschaften + Fesselnde Storyline + Unmengen an optionalen Quests und Bonuszielen + Verschieden ausspielbare Charakterklassen + Fairer Schwierigkeitsgrad für Gruppen + Keine monatliche Gebühr + Guter Support + Gelungenes Gildensystem - Schlechte bis gar keine Sprachausgabe - Unfairer Schwierigkeitsgrad für Alleingänger - Begrenzte Auswahl an Waffen und Rüstungen
Bewertung Grafik: 93% Sound: 74% Gameplay: 90% Spieldauer: 96% Kampfsystem: 79% Gesamt: 86%
Benjamin Seym für COMPzeitNur registrierte User können Kommentare schreiben. Bitte einloggen oder registrieren. Powered by AkoComment 2.0! |
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Letzte Aktualisierung ( 09.02.2006 )
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