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Mac OS X oder Windows Vista - wer jagt hier wen? PDF Drucken
Geschrieben von Matthias Rogat   
13.07.2006

Matthias Rogat ist neben seiner Tätigkeit als Projektleiter der SiebenBergeNews.de auch Mitglied im Redaktionsteam des "Clicker", einer Kundenzeitschrift des IT-Versandhandels e-bug. Ein Gemeinschaftsbericht für Clicker, SiebenBergeNews und COMPzeit.

Was ist das für ein Jahr? Nein, nein, hier ist einmal nicht die Weltmeisterschaft gemeint, die Deutschland in Aufruhr versetzt. Im März feiert Apples „neues“ Betriebssystem OS X sein Fünfjähriges, danach stellt Apple nahezu seine komplette Produktpalette auf Intel Prozessoren um, um dazu gleich OS X 10.5 anzukündigen und Microsoft mit vielen Innovationen noch schärfer unter Druck zu setzen. Kurz darauf kontern die Redmonder nicht nur mit einer unglaublich intuitiv zu bedienenden, neuen Office-Version und der voll funktionsfähigen Beta-Version zum Testen, sondern dazu noch mit einer Beta vom XP Nachfolger Windows Vista, das der geneigte (und zuweilen mutige) Computerfreak damit endlich ordentlich unter die Lupe nehmen kann. Schlussendlich weiß Apple dann noch mit „Boot Camp“ vollends zu verwirren und macht es plötzlich selbst möglich, Windows XP auf „überlegener Hardware“ zu installieren – aber das ist ein anderes Thema. Und mit Linux wollen wir noch gar nicht anfangen…

Was macht also der User, der sich über den Dreikampf freut? Er stellt sein iBook G4 (1,2 Ghz, 768 MB RAM) neben seinen Wohnzimmer-PC (AOpen XCube, AMD Athlon 3000+, 1024 MB RAM) und prüft selbst nach, ob Vista wirklich nur eine „billige Kopie“ ist, ob Apple seinen Ruf als innovativster Hersteller verlieren wird oder ob doch alles gar nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Vorweg sei eins gesagt: gerade das Gespann Vista-PC und OSX auf dem kleinen Weißen ist verdammt heiß.

Die Installation der Vista-Beta geht ausgesprochen einfach – zwar dauert sie (natürlich) länger, als noch bei Windows XP, es gilt ja aber auch einiges mehr auf die Platte zu schaufeln. Nach etwas mehr als einer Stunde ist es vollbracht und der erste Schreck sitzt tief. Die Festplatte hört nicht auf zu rattern (dabei sollten doch nur ein paar alte Daten von der externen Platte zurückkopiert werden) und Microsofts neue indizierte Suche, macht das Zurückkopieren zur Lebensaufgabe. Dafür ist die neue Oberfläche wirklich gelungen, schick und… langsam! Die im XCube eingebaute interne Grafik, der schon die maximalen 128MB zugewiesen wurden, schafft es nicht ansatzweise, die Neuerungen entsprechend darzustellen. So fehlen zum Beispiel die tollen Vorschaufenster in der Taskleiste. Wie bei Windows XP wird weiterhin nur Text angezeigt.

Der Blick einige Zentimeter zur Seite: auf dem kleinen Mac sieht das irgendwie anders aus. Die Oberfläche (mit sämtlichen Effekten) fließt fluffig vor den Augen auf und ab. Halbtransparenz klappt ohne Wartezeiten und irgendwie ist alles so unglaublich schick und intuitiv zu bedienen. Auch die Suche, die auf dem Apple dank Spotlight seit Version 10.4 auch unfassbar schnell und leicht von der Hand geht (Ergebnisse werden schon beim Tippen angezeigt), indiziert der „Kleine“ angenehmer, als sein großer Wohnzimmerbruder, der mit dem neuen System aus Redmond sympathisiert.

Dafür ist Microsoft mit der mitgelieferten Software wieder einen Schritt nach vorne geprescht. Bilder lassen sich, dank der neuen Galerieanzeige, noch besser und schneller sichten - auch die Dateianzeige ist noch besser geworden. Hier steckt der Fehlerteufel allerdings – wie so oft – im Detail. Der Benutzer kann so viele Feinheiten einstellen – Größe der Logos, Miniaturansicht, Favoriten-Ordner, Ordnerstruktur, Vorschaufenster,… - dass es einige Zeit dauert, bis man die für sich perfekte Einstellung gefunden hat – die dann natürlich auch wieder ganz schön Power frisst – der arme XCube.

Das hat Apple noch nicht so drauf – gerade die verschiedenen Ansichten und Sortierungen im „Finder“ (dem Dateibrowser beim Mac) lassen oft zu wünschen übrig und erfordern weitere Programme. Im Gegenzug gehen dem Apple natürlich nach wie vor die verschiedensten Dateitypen einfacher von der Hand. PDFs, Photoshop-Dateien und EPS lässt Vista kalt – der Mac verarbeitet es mit großer Freude. Was so manchen Nutzer jetzt vielleicht gar nicht tangiert, beeinflusst das Grafik-Herz doch erheblich. OSX ist zum Arbeiten gebaut – und das macht es fantastisch.

Doch zurück zur Power. Ganz ehrlich gesagt ist flüssiges Arbeiten mit der Kombination aus einem Athlon 3000+, 1024MB Arbeitsspeicher und der OnBoard Grafik nicht wirklich möglich. Es ist zwar grandios, dass die komplette Hardware (inklusive der Terratec TV Karte) von Vista schon erkannt werden (die Treiber installieren sich ohne nervige Fenster komplett im Hintergrund!), aber was nützt dies, wenn sie für ordentliches Arbeiten nicht genügend Leistung mitbringt? Nicht falsch verstehen, Vista weiß absolut zu begeistern. Ordnerberechtigungen und Freigaben setzen sich schneller, als je zuvor, der Netzwerkzugriff funktioniert einfach und sogar auf IPv6 ist das gute Stück vorbereitet.

Natürlich muss man sich vor und spätestens nach der Installation eingestehen, dass Vista nur eine Beta ist. Gleich danach aber loben, da es dafür extrem stabil läuft. Das relativ frühe Stadium ändert jedoch wahrscheinlich trotzdem nicht mehr viel an den eingebauten Funktionen, die zu einem großen Teil an Windows XP angelehnt sind oder darauf aufbauen. Leider muss man auch sagen, dass ein Arbeiten so flüssig, wie unter XP nicht möglich ist. Ob das an einigen Programmteilen liegt, die einfach noch nicht sauber genug programmiert wurden, oder ob man, um ein Betriebssystem mit genialer Bedienung und ausgesprochen viel Software benutzen zu können, neue Hardware kaufen muss, wird die Zeit zeigen.

Ein kleiner Fehler hat uns kurz vor Redaktionsschluss dann leider doch noch erwischt. Das Testsystem lies sich nicht mehr starten. Augenscheinlich wurde die Kopie nicht korrekt aktiviert, eine Anmeldung war nicht mehr möglich. Aus diesem Grund haben wir in dieser Ausgabe auch auf offizielle Microsoft-Screenshots zurückgreifen müssen.

Ein kurzer Satz sei noch zur Eingangsfrage gesagt: Apple jagt Microsoft, natürlich. Microsoft ist der Marktführer, keine Frage. Dafür jagen die Redmonder aber auch kräftig zurück – Apple ist eben einfach innovativer und intuitiver. Wir bleiben am Ball.

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Letzte Aktualisierung ( 25.07.2006 )

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