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Get real - eine Rennsimulation räumt im Genre auf PDF Drucken
Geschrieben von Alexander Merz   
26.10.2006
Mit "GTR 2" wird das Rennspiel-Genre durch die Entwickler 10tacle und Simbin neu aufgemischt.
Aufgemischt deshalb, da GTR 2 einfach anders ist als alle anderen Rennspiele jeher - natürlich mit Ausnahme des Vorgängers "GTR", sowie dem Zwischenpart "GT Legends" (COMPzeit berichtete). Frischen Wind bekommt auch GTR 2, da der ohnehin schon fast perfekte Vorgänger mit zahlreichen Innovationen weiter abgerundet und ergänzt wurde.

Den Slogan "Get real", der stolz auf der DVD-Box prangert, sollten sich Käufer des Spieles wirklich zu Herzen nehmen, denn kein Spiel hat es bisher geschaft, in seinem Genre "echter" zu sein, als es GTR 2 ist.
Angefangen mit den 19 Original-Strecken, dann natürlich den 140 lizenzierten Rennwagen der FIA GT-Klasse (vergleichbar mit den DTM) und letztlich auch der Fahrphysik,

Gegner-Intelligenz und Wetterabläufen haben die Entwickler versucht, der Realität gewaltig auf die Pelle zu rücken.

Das fängt an bei herrlich detailgetreuen Boliden von BMW, Porsche und Co.,  geht über das notwendige Reifenaufwärmen zu Beginn eines Rennens, differenzierte Fahrverhalten z.B. bei regennasser Fahrbahn (und deren unterschiedlich schnell trocknenden Streckenabschnitte), bietet selbst das sonst bei lizenzierten Wagen problematische Schadensmodell und endet bei einer Schnittstelle zur MOTEC 2-Telemetriedatensoftware zur professionellen Rennauswertung.

Standesgemäße Grafikfülle muss gar nicht erst erwähnt werden, verwöhnt GTR 2 den Spieler mit herrlichen Reflexionen und Fotorealismus. Detailfülle herrscht leider nicht abseits der Strecke - hier wirkt alles ein bisschen Fade, was aber nicht weiter schlimm ist, konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Fahrers ja sowieso auf das Geschehen auf der Strecke.

Neben Bereitstellung zeitgemäßer Grafik-Hardware (DirectX 9.0c Support, optimal ist 256 MB RAM-Grafikspeicher) hat der Spieler seine Bringschuld gegenüber dem Spiel aber noch lange nicht erfüllt! Ein Lenkrad muss her, am besten noch mit Force Feedback, Gangschaltung und Kupplung. Im Normalpreis-Segment findet sich solch exotische Hardware kaum noch. Hiermit ist aber noch nicht schluss: Mittels "TrackIR" von Naturalpoint, einer Hardware zur Erkennung von Kopfbewegungen des Spielers, das ebenfalls von GTR 2 unterstützt wird, lässt sich selbst die ohnehin schon exquisite Cockpit-Sicht verfeinern: Dreht man nun den Kopf, so wird dies auch auf das Spiel in Form eines Kameraschwenks umgesetzt. Ärgerlich nur: Der Monitor dreht sich nicht mit, Augengelenkigkeit daher vorausgesetzt.

Diese vielfältigen Hardwareergänzungen sind natürlich nicht unbedingt erforderlich. So haben sich die Entwickler auch eine "Low-Budget"-Steuerung in Kombination mit der ohnehin vorhandenen Hardware, Maus- und Tastatur, einfallen lassen. Das kommt einem Lenkrad zwar nicht gleich, ist allerdings wesentlich angenehmer als eine Tastatursteuerung. Diese ist auf keinen Fall ratsam, da so sämtliches Feingefühl aus der Wagensteuerung entnommen wird und das Fahren verständlicherweise an Spaß verliert.

Aber nicht nur hardwaretechnisch anspruchsvoll ist GTR 2, sondern es fordert auch den Spieler um so manches.
Unerfahrene werden, bevor sie sich an die Spielmodi Offenes Training, Zeitfahren, Rennwochenende, 24-Stunden-Rennen und Meisterschaften (die Saisons 2003 und 2004 der FIA GT Meisterschaft sind mit dabei) stürtzen, in der Fahrschule an die Hand genommen.

Dort werden sowohl Fahrtechniken wie das optimale Beschleunigen unter verschiedenen Fahrbahnbedingungen oder die Bremspunkte auf verschiedenen Strecken Schritt für Schritt erläutert. Angenehm dabei auch: der Ideallienien-Marker signalisiert mit unterschiedlichen Färbungen Brems- und Beschleunigungs-Punkte. Absolvierte Lektionen bringen Bonus-Meisterschaften, sodass die Fahrschule selbst für Fortgeschrittene interessant bleibt.
Der Spieler wird also schon zu Begin auf echte Professionalität geeicht, wem das alles aber zu viel Stress bedeutet, kann verschiedene Fahrhilfen nach Wahl dazu schalten, die das Fahren deutlich erleichtern und den Schwierigkeitsgrad absenken. Leicht wird GTR 2 allerdings auch mit Fahrhilfen nicht!

Kaum gefallen an GTR 2 finden werden trotz all der Errungenschaften vermutlich all jene, die für Realismus und "Fahren als Arbeit" nicht viel übrig haben oder ihre Wagen lieber mit Neonröhren o. ä. verzieren wollen - der Spielspaß in GTR 2 ensteht weniger anhand von Coolness und Style, als vielmehr durch Realität und Simulation.

Gerade deshlab ist GTR aber gerade für einstige Spiele- oder auch Genremuffel - von Kennern ganz zu schweigen - als bodenständige und ernst zu nehmende Alternative, die sich mit Teil 2 im Rennspielgenere von neuem behaupten kann, uneingeschränkt zu empfehlen.

Screenshots: 10tacle, Simbin

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Letzte Aktualisierung ( 22.01.2007 )

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