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Seite 1 von 4 Da S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl keine Jugendfreigabe erhalten hat, möchten wir darauf hinweisen, dass sich das Spiel an eine volljährige Zielgruppe richtet und keinesfalls von Jugendlichen unter 18 Jahren gespielt werden sollte. Auch dieser Testbericht richtet sich an volljährige LeserInnen. Es ist mitten in der Nacht. Ein kurzer Blick auf dein PDA verrät dir die genaue Uhrzeit: 23.49Uhr! Der Regen peitscht dir ins Gesicht und immer wieder zerteilt ein Blitz die Luft und taucht deine Umgebung in grelles und gleißendes Licht. Du wünschst dir, du hättest niemals den Auftrag des alten Sidorowitsch angenommen. „Eine großzügige Belohnung für die Ausrottung des Mutanten in der Nähe“, das waren seine Worte. Aber von dieser Nacht-und-Nebel-Aktion war nicht eine Minute lang die Rede. „Konzentrier dich!“, ermahnst du dich. „War da was? Hinter dem Busch dort drüben?“. Mit zitternder Hand betätigst du den Schalter an deiner Taschenlampe und leuchtest den Busch aus. Plötzlich Stille! „Das Vieh hat mich entdeckt!“, denkst du noch während du deine AK 74 fest umklammerst und sie fest entschlossen auf den bis eben noch raschelnden Busch richtest. Ein weiterer Blitz erhellt die Umgebung. Die Fratze die sich ruckartig aus der völligen Dunkelheit abzeichnet, lässt dir das Blut in den Adern gefrieren. Und Schuss… „Nein! Die Waffe klemmt!“, denkst du dir noch während sich das Biest in deinem Hals festbeißt und dir langsam die Sinne schwinden…Zeitpunkt des Todes: ca. 23.49Uhr…
Ein kleiner Ausflug in die verstrahlte Zone von Tschernobyl „Willkommen in Tschernobyl… wo der Mensch die Hölle schuf“ – Dies liest der aufmerksame Käufer der deutschen Version des Russenshooters auf der Rückseite der Spielbox. Nun, was auch immer der Mensch 1986 in der Ukraine schuf, es kommt der Hölle schon recht nahe. Aber was dem russischen Entwicklerteam „GSC Game World“ in den letzten Jahren gelang, ist mit Sicherheit alles Andere. Lange hat es gedauert und halbe Ewigkeiten wurden Spieler mit immer neuen Screenshots und kleinen Teaserfilmchen bei Laune gehalten, bis - und nun ist es endlich soweit - „S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl“ in den Regalen deutscher Elektronikfachmärkte steht.Was erwartet den Spieler in dem Sperrgebiet, das, abgesehen von dem realen Super-GAU 1986 nun ein weiteres mal, 2006, Schauplatz einer fiktiven Detonation wurde? Die radioaktive „Zone“ in S.T.A.L.K.E.R. beherbergt in erster Linie natürlich allerlei Anomalien, andere Stalker, Mutanten in jeder erdenklich scheußlichen Form, das ukrainische Militär, Banditen, Geheimnisse, Artefakte und vor allem natürlich: Der alltägliche Kampf ums nackte Überleben.Die Spielwelt braucht sich wirklich nicht hinter Genregrößen wie „Gothic 3“ oder „Oblivion“ zu verstecken. Moment mal… „Gothic 3“ und „Oblivion“ werden als Maßstab genommen? Ja genau! Denn neben den Shooter- und Horror-Einlagen des Shooters entwickelt das Spiel auch jede Menge RPG-Tendenzen. So werden z.B. Quests angenommen, um Geld zu verdienen, um sein Inventar durch neue und bessere Waffen und Rüstungen aufbessern zu können und um so gegen immer mehrere und stärkere Gegner bestehen zu können. Doch fangen wir am besten am Anfang an: In der ersten Rendersequenz sehen wir einen Lastwagen bei tosendem Wetter über eine Landstraße fahren. Auf der Ladefläche beginnt der Horror auch schon. Lauter grausam entstellte Leichen befinden sich dort hinten. Plötzlich schlägt ein Blitz in das Fahrzeug und schleudert es von der Straße. In der nächsten Sequenz sehen wir einen jungen Stalker (Stalker sind Strahlungs-Artefaktesammler und -verkäufer), wie er sich dem Unfallort nähert und tatsächlich einen Überlebenden findet. Anscheinend lag dieser zwischen den Leichen auf der Ladefläche. Auf der Schulter des jungen Stalkers gelangt der Überlebende in den Bunker des Händlers Sidorowitsch, welcher sichtlich überrascht ist, einen Überlebenden vorzufinden. Ein Tattoo auf dem rechten Unterarm verleiht dem Unbekannten den Namen „Gezeichneter“. „S.T.A.L.K.E.R.“ ist dort in die Haut gebrannt. Der Spieler übernimmt daraufhin die Rolle des Gezeichneten. Auf dem PDA, der wie durch ein Wunder unbeschädigt ist, flimmert noch ein Auftrag aus früheren Zeiten über das Display: Töte Strelok! Ab hier beginnt das Spiel. Es wird weder erklärt, wer man ist, noch warum man einen Mann namens Strelok jagt. Für ein paar Gefälligkeiten kann der dicke Mann, der sich selbst nur Sidorowitsch nennt, helfen, etwas über Strelok herauszufinden. Also übernimmt man ein paar einfache Aufträge, wie etwa das Ausräuchern eines Banditenlagers oder das Jagen eines besonderen Artefakts oder Souvenirs der Zone.Die Welt, welche lange Zeit als komplett begehbar und absolut frei angepriesen wurde, entpuppt sich leider doch als eingeschränkt. Trotzdem ist die Welt riesig groß und es gibt sehr viel für den mutigen Stalker zu entdecken. Zwar begrenzen Stacheldrahtzäune, stark verstrahlte Gebiete und militärische Minenfelder das Areal hier und da, aber im Großen und Ganzen gibt es abseits der Wege und Straßen sehr viel wilde Flora und natürlich auch grausame Fauna zu entdecken. Ob offene Ebene, hügeliges Gebiet, dunkle Bunkersysteme, alte Fabrikgelände, mysteriöse Täler oder befestigte Militärbasen – die Vielfalt und der Abwechslungsreichtum der Zone weckt den Forschergeist und beschert auch jedem noch so hartgesottenen Gamer angsterfüllte Stunden vor dem Monitor, welcher dank der brillanten Atmosphäre eher als eine Art „Tor zu einer anderen Welt“ wirkt. Auch der Hauptqueststrang, welcher schlussendlich sogar im Kernkraftwerk Tschernobyl endet, zeigt sich abwechslungsreich und besticht durch eine interessante, spannende und somit absolut Shooter-untypische Story. Die unterirdischen Laborkomplexe, welche der Spieler im Laufe der Story durchwandert, vermitteln eine bisher selten erlebte Atmosphäre. Auch die Rendersequenzen, welche an wichtigen Schlüsselszenen des Spiels eingestreut werden und den Spieler über die Vergangenheit des Gezeichneten aufklären, tragen viel zu erwähnter Atmosphäre bei.
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