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Genie gegen Meisterdieb – Sherlock Holmes gegen Arséne Lupin PDF Drucken
Geschrieben von Benjamin Seym   
05.12.2007
Artikelindex
Inhalt und Gameplay
Gameplay und Technik
Fazit

Auch die Rätsel, bei denen man Gegenstände miteinander kombinieren muss, um besondere Hilfsmittel zu basteln, fallen bisweilen sehr „an den Haaren herbeigezogen“ aus; so müssen zum Beispiel einmal im Spiel aus verschiedenen Gegenständen zwei Miniaturheißluftballons gebaut werden, um eine Schnur durchzubrennen, die ebenso gut über eine Treppe erreicht werden könnte, bei der aber leider die ersten beiden Stufen defekt sind, sodass man auf diese seltsame Apparatur ausweichen muss. Besonders unglaubwürdig wird diese Aktion durch den Fakt, dass Holmes eigentlich schnell handeln muss um den Dieb zu erwischen.

Schade, dass das Rätseldesign teilweise so grotesk vom eigentlichen Stil der Romanfigur abweicht. Zwar gibt es auch durchaus logische Rätsel und das Fummeln und Ausprobieren kann mitunter sehr amüsant sein, aber man muss schon ein wahrer MacGyver-Fan sein, um auf solch ausgefallene Problemlösungen zu kommen ohne das Lösungsbuch vor sich liegen zu haben.

„Watson, hören Sie das? “ – Zur technischen Kulisse
Technsich hat sich seit „Die Spur der Erwachten“ nicht allzuviel verändert. Die Texturen sind ein wenig aufpoliert und die Areale sind größer geworden. Vor allem die Personen wirken nun lebendiger als vorher, aber insgesamt präsentiert sich dem Spieler nur eine solide Grafik. Die größten Kritikpunkte sind wohl die völlige Menschenleere und die Sterilität der Areale. Trotzdem die Baker Street von Holmes Schlafzimmer bis hin zu Barnes Buchladen sehr originalgetreu wirkt und mit sehr viel Liebe zum Detail ausgearbeitet wurde, fehlt es doch irgendwie an Personen, die auf den Straßen umherlaufen oder zumindest irgendwo rumstehen. Es gibt zwar hier und da ein paar Alibi-Charaktere aber das Fehlen des Londoner Innenstadt-Feelings kann dieser Umstand auch nicht kaschieren. Zudem bieten sich zu oft irgendwelche Pseudo-Barrikaden an, wie etwa ein quer stehender Lastkarren oder „ungünstig deponierte Schaufeln“ , die dem Spieler den Durchgang verwähren. Diese Barrikaden sind teils dermaßen einfallslos auf die Straße gestellt, dass es verwundert, dass nicht einfach ein Schild aufgestellt wurde auf dem „Hier geht es nicht weiter – Bitte umkehren!“ steht.

Nichts desto trotz macht das virtuelle Spazieren durch die von Sir Arthur Conan Doyle inspirierte Spielwelt viel Spaß. Vor allem, wenn man endlich einen Schlüssel oder Ähnliches gefunden hat, der einem den Zugang zu einem neuen Bereich ermöglicht.

Schade ist, dass der gute Dr. Watson, sowie sämtliche andere Figuren im Spiel keine Bewegungsanimation besitzt. Der Doc steht bewegungslos in Holmes Nähe, und schaut immer freundlich zu seinem Freund herüber, bewegt sich dabei allerdigs keinen Schritt vorwärts. Besonders "unheimlich" wird dieser Umstand, wenn man seinen treuen freund im Auge behält, und sich gute einhundert Meter von ihm entfernt. Unbekümmert steht Dr. Watson wie angewurzelt dort und guckt lediglich in unsere Richtung. Wenn wir dann den Blick für eine halbe Sekunden von ihm abwenden und dann wieder hingucken steht Watson plötzlich wie ein Geist direkt vor uns. Auch wenn man rückwärts (mit Blick auf den Doktor) durch eine Tür in einen Raum tritt, wartet, bis sich die Tür schließt und sich dann umdreht, steht unser Begleiter plötzlich - wie durch Teleportation - bereits mitten im betretenen Raum. Warum wurde hier nicht wenigstens eine einfache Animation eingebaut, die die einzelnen Charaktere ein wenig lebendiger erscheinen lassen würde?

Kommen wir von einer soliden grafischen Leistung mit einigen Schwächen zu einer umwerfend grandiosen Akustik: Egal ob Hintergrundmusik oder Dialoge – Sherlock Holmes neustes Abenteuer überzeugt akustisch auf voller Linie. Die Synchronstimmen der britischen Gentlemen Holmes und Watson sind professionelle Sprecher, sodass die Frotzeleien der beiden noch stilechter werden.

Auch die musikalische Untermalung – eine Mischung Holmes-typischer klassischer Stücke – unterstreicht die Atmosphäre und hilft dabei, sich im England des viktorianischen Zeitalters wiederzufinden. Beide Daumen hoch für die gelungene akustische Leistung!


Letzte Aktualisierung ( 06.12.2007 )

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